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Kennst du diese Menschen, die ständig nach dem größeren Sinn des Lebens suchen? Wir brauchen nur einmal unter bestimmten Hashtags auf Instagram scrollen: #deepthoughts #sinndeslebens #persönlichkeitsentwicklung oder #mindset. Ganz besonders spannend fand ich auch den hashtag #sinnfluencer.
Es gibt also demnach Menschen, die der Meinung sind, dass das Leben per se immer besser sein könnte, als es gerade ist. Kennst du das? Der gefühlte 24/7 andauernde Selbstoptimierungswahn? Der ich-akzeptiere-keine-schlechten-Gedanken-Kult? Oder die ich-versende-liebe-an-alle-lebewesen-auf-diesem-planeten-Einstellung? Und, mal ganz ehrlich unter uns beiden hier (ich verrate es auch nicht weiter), nervt dich das manchmal auch so RICHTIG?! SO RICHTIG RICHTIG?! Ich sehe Menschen (vorrangig auf Social Media), die Null Komma Null das ausstrahlen, was sie sagen. Und ich sage dir eins: Ich empfinde das als ihren eigenen Selbstbetrug.
Doch ich verrate dir etwas. Ich bin auch einer von dieser Menschen. Seit 2019 ist das Thema Persönlichkeitsentwicklung in meinen Alltag eingezogen und nicht mehr wegzudenken. Ich habe so unglaublich viel gelernt. In guter wie auch in schlechter Hinsicht. (Oder wie Menschen mit spirituellem Bezug sagen würden, für die Erfahrungen per se als nicht wertbar einzuordnen sind: Ich habe unglaublich viel gelernt, was sowohl mit freudhaften als auch mit schmerzhaften Erfahrungen verknüpft war).
Vor einigen Monaten habe ich mir die creme de la creme ausgesucht. Ich wollte von ganzem Herzen ein Seminar von Tony Robbins besuchen; einem der Ur-Gesteine in puncto Persönlichkeitsentwicklung. Also packte ich meine Sachen und stieg in das Flugzeug in Richtung Florida. Auch heute noch bin ich der Meinung, dass diese Erfahrung jeden Cent wert gewesen ist. Und trotzdem habe ich gleichzeitig auch einen kritischen Blick entwickelt, mit dem ich nun dem Thema Persönlichkeitsentwicklung entgegentrete.
Ich beobachte, dass Menschen sich voneinander abwenden und dass die Trendschiene der so genannten ‚Persönlichkeitsentwicklung‘ ihren Anteil daran trägt. Aus Freundinnen werden entfernte Bekannte. Aus Ehepaaren werden Singles. Aus Eltern werden Alleinerziehende. Aus Eltern und Kindern werden Kinder und Eltern.
Einer der härtesten Sätze in diesem Zusammenhang finde ich Folgenden: „Umgib dich mit den 5 Menschen, die bereits das haben, was du nicht hast.“ oder anders formuliert „Du bist die Summe der 5 Menschen mit denen du dich umgibst.“
Kommt dir der Satz bekannt vor?
Ich habe dem lange zugestimmt und erstaunt genickt. Heute blicke ich mit einer gewissen Vorsicht auf diesen Satz, der meiner Meinung nach eine extrem wichtige Sache nicht thematisiert: unseren blinden Fleck.
Blinde Flecken tragen wir alle. Und sie sorgen dafür, dass wir Dinge nicht vollumfänglich sehen können. Wenn wir nicht vollumfänglich sehen, können wir nicht vollumfänglich beurteilen. Und wenn wir nicht vollumfänglich beurteilen, treffen wir unter Umständen falsche Entscheidungen.
Dann kann es durchaus vorkommen, dass es die anderen sind, die „eine schlechte Energie haben“. Das Andere das Coaching von XY besuchen sollten, bevor man wieder „auf einem Level ist“ oder schlichtweg Freundschaften & Beziehungen mit dem Argument beendet werden, da die andere Person „einfach zu toxisch“ zu sein scheint.
Keine Frage – es gibt Charaktere, die passen nicht zusammen und sicherlich wäre es manchmal besser, angespannte Beziehungen zu lösen. Doch ist es wirklich eine gute Idee, Menschen den Stempel der Toxizität aufzudrücken und dann guten Gewissens in die Welt zu ziehen – in der Annahme man selbst sei frei von Fehlern?
Ich habe mich in den letzten Jahren viel mit der Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt. Ich habe Seminare besucht, war begeistert und bin es (teils) noch immer. Aber ich sehe zunehmend auch die Schattenseite der alles-zu-meinem-Besten-Haltung.
Was ich spüre ist der Hunger der Menschen. Der Hunger nach Antworten in einer Welt, in der sich absolute Wahrheiten so schnell verflüchtigen wie der Rauch einer Kerze. Der Hunger nach mehr im Leben und nach der Sinnfrage der eigenen Existenz. Ich kann diesen Hunger so sehr nachempfinden. Weil ich ihn ebenfalls verspüre.
Gleichzeitig bin ich der festen Überzeugung, dass es ein Dazwischen geben muss. Ein Dazwischen einerseits mit dem Status quo, der nicht so ganz glücklich macht und andererseits dem perfekten Bild im Kopf. Dieser Übergang benötigt Zeit und Veränderung. Nicht nur im Außen, sondern vor allem in Inneren.
Dieser Blog soll dir dienen. Ich wünsche mir, Inspiration und neue Sichtweisen in die Welt zu tragen ohne den Anspruch zu erheben, dass es eine Wahrheit ist. Es ist meine Wahrheit und meine Art, wie ich auf bestimmte Dinge blicke.
Nimm die Dinge auf, prüfe sie für dich und lass die Gedanken in dir reifen.
Ich wünsche dir ganz viel Freude auf deiner Reise zu deinen ganz persönlichen Antworten und freue mich über deine Rückmeldung in den Kommentaren oder über Instagram.
Deine Anni
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English version:
You know those people who are constantly searching for the deeper meaning of life? Just scroll through certain hashtags on Instagram: #deepthoughts #meaningoflife #personaldevelopment or #mindset. One hashtag I found particularly interesting? #sinnfluencer.
So basically, there are people out there who believe that life could always be better than it currently is. You know what I mean? That 24/7 self-improvement obsession? That „I refuse to have negative thoughts“ cult? Or that „I’m sending love to every living being on this planet“ attitude?
And, just between us (I promise I won’t tell anyone), does that ever annoy the hell out of you? Like, REALLY annoy you?! I see people (mostly on social media) who project absolutely nothing of what they preach. And let me tell you—this feels like pure self-deception to me.
But here’s the thing: I’m one of those people too. Since 2019, personal development has become a huge part of my daily life, and I can’t imagine living without it. I’ve learned so much—both in good and bad ways. (Or, as spiritually inclined people might say, since they don’t categorize experiences as good or bad: I’ve learned a lot, linked to both joyful and painful experiences.)
A few months ago, I went all in. I wanted—more than anything—to attend a seminar by Tony Robbins, one of the OGs in the personal development world. So, I packed my bags and flew to Florida. And to this day, I still believe that experience was worth every penny. But at the same time, I’ve developed a more critical perspective on personal development as a whole.
What I see happening is that people are drifting apart, and the whole „personal growth“ trend definitely plays a role in that. Friends turn into distant acquaintances. Married couples become single. Parents end up raising kids alone. Relationships shift, and sometimes not in the best way.
One of the hardest things I’ve come across in this space is this saying: „Surround yourself with the five people who already have what you don’t.“ Or, put another way, „You are the average of the five people you spend the most time with.“
Sound familiar?
I used to fully believe in this. Nodded my head in agreement. But now, I look at it with a bit more caution. Because in my opinion, it overlooks something crucial—our blind spots.
We all have blind spots. And they prevent us from seeing the full picture. If we can’t see the full picture, we can’t make fully informed judgments. And if we can’t make fully informed judgments, we might end up making bad decisions.
And that’s when things get messy. Suddenly, other people are the ones with „bad energy.“ Other people need to attend some coaching program before you can be „on the same level“ again. Or friendships and relationships are ended with the justification that the other person is just „too toxic.“
Look, I’m not saying that some people aren’t a bad match or that it’s never a good idea to walk away from a strained relationship. But is it really smart to slap a „toxic“ label on someone and move on, assuming you yourself are completely free of flaws?
Over the past few years, I’ve been deep into personal development. I’ve attended seminars, I’ve been inspired, and in some ways, I still am. But I’m also becoming more aware of the darker side of this „everything happens for my highest good“ mentality.
What I see is hunger. A hunger for answers in a world where absolute truths disappear as quickly as candle smoke. A hunger for more in life. A hunger for meaning. And I get it—I really do. Because I feel that hunger too.
At the same time, I truly believe there has to be a middle ground. A space between where we are now (which might not be fully satisfying) and that perfect vision in our minds. And that transition takes time. Real change isn’t just about the external—it has to happen on the inside too.
This blog is for you. My goal is to share inspiration and new perspectives—not as the truth, but as my truth. My way of looking at things.
Take what resonates, think it through for yourself, and let your thoughts evolve.
Wishing you so much joy on your journey toward your own personal answers! I’d love to hear your thoughts—drop a comment or reach out on Instagram.
Much love,
Anni
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