Blinde flecken / blind spots

By

Scroll down for English version

Ich hatte es im letzten Blogartikel schon einmal kurz angerissen. Die Sache mit dem blinden Fleck.

Vielleicht denkst du dir jetzt so: „Blinder Fleck? Hab ich nicht. Ich empfinde mich als reflektiert, beschäftige mich seit Jahren mit meinen Kindheitswunden, mache Innere-Kind-Arbeit, betreibe aktiv Vergebung und lebe bestmöglich in der Gegenwart.“

Das sind an sich alles super Ansätze, um sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Und trotzdem bin ich der Meinung, dass wir alle blinde Flecken haben – unabhängig vom Grat unserer Selbstreflektion.

Doch was genau sind denn nun diese blinden Flecken?

Wir alle haben Eigenschaften, Verhaltensmuster oder Strategien entwickelt, die dazu dienen, schmerzhafte Dinge von uns fern zu halten. (Ich werde hier jetzt nicht weiter in die Tiefe gehen). Diese Eigenschaften, Verhaltensmuster oder Strategien müssen nicht schlecht sein. So kann es sein, dass jemand den Anspruch an sich hat, hart zu arbeiten, um erfolgreich zu werden. Es kann bedeuten, dass jemand anderes unbedingt reisen muss und in völliger Freiheit leben möchte. Wieder jemand anderes liebt es, für andere da zu sein und sich in stundenlangen Gesprächen mit Freund*innen zu verlieren.

An sich sind das alles keine Eigenschaften, Verhaltensmuster oder Strategien, die komisch erscheinen. Blickt man jedoch auf das Motiv dahinter, können da teils Dinge warten, die man nicht erwartet hätte. Der blinde Fleck.

Die Motive hinter Workoholics, hinter People Pleaser und everbodies-darling sind tiefgründig und manchmal trauriger als es den Anschein hat.

Wer hart arbeitet hat möglicherweise auch die Kehrseite bereits erlebt. Nämlich, wie es ist, gar nichts zu haben und dafür womöglich sogar ausgelacht zu werden.

Wer viel durch die Welt reist, lebt vielleicht mit der ständigen Angst, dass das Leben zu schnell vorbeigehen könnte, dass man etwas verpasst. Oder aber die Angst, in der eigenen Freiheit eingeschränkt zu werden. Reisen befreit, keine Frage. Aber manchmal führt reisen auch dazu, dass wir vor den Dingen weglaufen, die wir uns eigentlich in unserem Leben wünschen. Eine intakte Familie zum Beispiel. Eltern oder das Gefühl, wirklich gebraucht und geliebt zu werden.

Gehörst du zu den Menschen, die 24/7 für andere da sind? Fällt es dir schwer auch mal Kritik zu geben? Stattdessen nickst du in all den Gesprächen mit deinen Kumpels und Mädels, genießt die Zeit und fühlst dich einsam, wenn sie vorbei ist? Das Gefühl von Einsamkeit kann echt weh tun. Manchmal so sehr, dass wir uns lieber mit den falschen Menschen umgeben als mit uns selbst allein zu sein.

Hinter einigen unserer Strategien stecken diese blinden Flecken.

Und solange wir nicht bereit sind, diesen ins Auge zu sehen, bleiben wir in einer gewissen Art deren Marionette. Denn das vermeintliche Ziel ist es, diese blinden Flecken im Verborgenen zu lassen, sie zu schützen, damit sie ja niemand sieht.

Aber ist das wirklich so sinnvoll? Lohnt sich dieser Kraftakt? Oder darf uns nicht vielmehr auch die Frage beschäftigen wer wir ohne unsere Schatten & Flecken sind?

Ich bin der Meinung, blinde Flecken sind gefährlich, solange sie unsichtbar sind.

Aktuell liegt vor mir einer der größten Schatten überhaupt. Und es mag so paradox erscheinen, weil nach Außen hin bei mir meist alles super easy erscheint. Doch das ist es nicht.

Ein blinder Fleck hat sich besonders gut versteckt die letzten 12 Jahre.

Ich sehe die ungesunden Strategien, die sich daraus abgeleitet haben. Und ich bin nicht mehr gewillt, diese zu dulden.

Ich weiß, dass mir dieser Schatten enorm viel meines eigenen, inneren Lichtes nimmt. Und auch wenn er nun noch bedrohlich wirkt, weiß ich, dass ich ihn bezwingen werde.

Ich glaube, die Kunst ist es, sich den eigenen Schatten zu stellen und trotzdem seinen Optimismus zu bewahren. Niemand sagt, dass es leicht ist. Aber wenn wir mit einer Neugier an die Sache herangehen und stets Freude daran haben, neue Dinge über uns zu lernen (egal ob freudhaften oder schmerzhaften Ursprungs), können wir uns auf diese Reise der Veränderung einlassen.

Lasst uns gemeinsam unseren Schatten den Kampf ansagen und entdecken, wer wir sind, wenn wir Dunkelheit gegen Licht tauschen.

Deine Anni

……………………..

Blind Spots

I briefly touched on this in my last blog post—the thing about blind spots.

Maybe you’re thinking, „Blind spot? Nope, not me. I’m super self-aware, been working on my childhood wounds for years, doing inner-child work, practicing forgiveness, and trying to live fully in the present.“

And honestly? Those are all great ways to dive deep into yourself. But I still believe we all have blind spots—no matter how self-reflective we are.

So, what exactly are these blind spots?

We’ve all developed certain traits, behaviors, or coping strategies to keep pain at a distance. (I won’t go too deep into that here.) And these traits or strategies aren’t necessarily bad.

Some people push themselves to work insanely hard to achieve success. Others feel the need to travel all the time, craving complete freedom. Then there are those who love being there for others, getting lost in endless deep talks with friends.

On the surface, none of these behaviors seem weird, right? But when you look at what’s really driving them, you might uncover something unexpected. That’s the blind spot.

The motivation behind workaholics, people-pleasers, and the ones who always try to be everybody’s favorite? It’s often deeper—and sometimes sadder—than it looks.

Someone who works their ass off might have once known what it’s like to have nothing—and maybe even got laughed at for it.

The one constantly on the move, traveling from place to place? They might be terrified that life is slipping by too fast. Or scared of losing their freedom. Sure, traveling is freeing—no doubt. But sometimes, it’s also a way of running away from the very things we secretly long for. A real home. Family. Parents who are truly present. The feeling of being deeply loved and needed.

And if you’re the type who’s always there for others—24/7, never saying no—do you also struggle to speak your mind? Do you find yourself agreeing with everyone, nodding along in conversations, enjoying the moment… only to feel a wave of loneliness when it’s over?

Loneliness can hurt like hell. Sometimes so much that we’d rather surround ourselves with the wrong people than be alone with ourselves.

Blind spots hide behind our coping mechanisms.

And as long as we refuse to face them, they’ll keep running the show. Because the whole point of a blind spot is to stay hidden—to protect itself from being exposed.

But is that really the best approach? Is it worth all that energy? Or should we start asking ourselves: Who are we without our shadows? Without these blind spots?

I believe blind spots are only dangerous when they stay invisible.

Right now, I’m staring down one of the biggest shadows in my life. And I know—it probably looks like I have everything together from the outside. But I don’t.

There’s a blind spot that’s been lurking in the background for the last 12 years.

I can see the unhealthy patterns it has created. And I’m done tolerating them.

I know this shadow has been dimming my inner light. And yeah, right now, it feels overwhelming. But I also know—I will overcome it.

I think the real challenge is facing our shadows without losing our optimism. No one said it would be easy. But if we approach this with curiosity—if we stay open to learning about ourselves, even when it’s painful—we can embrace the journey of change.

So, let’s do this together. Let’s take on our shadows and find out who we truly are—when we trade darkness for light.

With you on this journey,


Anni

Beiträge

Posted In ,

Hinterlasse einen Kommentar