*triggerwarnung*

Ich habe mich nun lange ums Schreiben herumgedrückt. Nicht, weil es nichts gäbe, was einen Blogpost wert gewesen wäre. Im Gegenteil – innerlich stapeln sich all die Themen, die ich so gerne mit euch teilen möchte. Das, was die Blockade errichtet hat, sind meine inneren Dämonen, die sich wie ein dunkles Heer positioniert haben.
Dämonen? Ein dunkles Heer? Klingt düster, nicht wahr?
Und doch bin ich überzeugt: Auch du kennst sie. Vielleicht nennst du sie anders – „negative Glaubenssätze“, „Schattenkind“ oder „bad vibes“. Klingt schließlich charmanter, rationaler oder irgendwie sogar poetisch. Ich aber nenne sie, wie ich sie erlebe: kraftvoll, zerstörerisch, spaltend.
Zugegeben – die Metapher eines tobenden inneren Kindes wirkt sympathischer als ein Heer dunkler Krieger (Gendersternchen spare ich mir an dieser Stelle). Doch in ihrer Wirkung treffen diese Gefühle mich wie eine Armee, die antritt, um eines zu tun: zu zerstören. Und das mit erschreckender Präzision. Sie trennen mich von mir selbst.
Falls du dich bis hierhin durchgequält hast und dich fragst, was um alles in der Welt ich meine, möchte ich nun endlich Licht ins Dunkel bringen.
3 toxische Emotionen, die dich innerlich zerstören
Das düstere Heer steht für mich symbolisch für drei starke, destruktive Gefühle – und die Verhaltensmuster, die daraus entstehen. Heute gebe ich dir einen ersten Überblick. In den nächsten Beiträgen werde ich auf jede dieser Emotionen noch tiefer eingehen.
No 1: Scham
Hast du dich schon einmal für etwas geschämt? Vielleicht hast du als Kind auch diesen einen Pulli angezogen bekommen, den du selbst abgrundtief hässlich fandest, deine Mutter dich damit aber trotzdem in die Schule geschickt hat. Du warst nicht die einzige Person mit dieser Auffassung – deine Mitschüler*innen teilten diese Meinung und machten sich über den Tag hinweg immer stärker über dich lustig. Plötzlich war es nicht nur der Pulli für den du dich schämtest, sondern vielleicht auch der Körper, der diesen trug.
Oder aber du warst abgöttisch in jemanden verliebt, was du im Vertrauen auch deiner Clique erzähltest. Einen Tag später wusste es dann die ganze Klasse, inklusive deinem Schwarm. Sein Kommentar dazu: „Was die? Niemals! :-DDD“ Und Ruckizucki gab es eine wortgleich neue Gruppe im SchülerVZ, der dann auch die Hälfte deiner Schule angehörte.
Wir alle haben schambehaftete Momente in unserem Leben, von denen wir erzählen könnten. Werden wir aber nicht, da wir uns ja dafür schämen. Scham ist somit unter Umständen ein so altes Gefühl (da es möglicherweise vor Jahrzehnten durch eine Situation entstanden ist) und dennoch fühlt es sich jedes Mal real und existierend an, wenn du es aktiv versuchst unter den Tisch zu kehren.
No. 2 Schuld
Schuld und Scham gehören leider eng zusammen. Nicht nur, weil sie sich beide schmerzhaft anfühlen. Beide wurzeln oft in der Bewertung anderer.
Ich habe als Kind mal den Füller einer Mitschülerin durchs Klassenzimmer geschmissen, weil sie mich geärgert hatte. Klar, ich war Schuld, dass das Ding kaputt war und musste dementsprechend auch einen neuen kaufen. Dass sie mich hingegen mit anderen zusammen geärgert hatte, war der Lehrerin nicht aufgefallen. Sie sprach mir zu 100% die Schuld zu. Und das auch nicht in einem leisen Ton, sondern so, dass es die ganze Klasse mitbekam. (Scham). Da der Füller obendrein der Tochter ihrer besten Freundin gehörte, hatte sie mich seit diesem Tag an für den Rest meiner Grundschulzeit auf dem Kiecker.(Schuld)
Schuld bekommen und Schuld haben sind zwei grundlegend verschiedene Dinge. Oftmals stellt sich die Frage, ob die Person, die die Schuld ausspricht überhaupt die Befugnis dazu hat. Ebenso stellt sich die Frage, ob der Beschuldigte seinen Standpunkt vorbringen und darauf ehrlich ein Urteil gefällt wurde. Die meisten Schuldzuweisungen basieren nicht auf Neutralität, sondern auf Befangenheit des Schuldzuweisenden. Entweder befangen durch andere oder durch seine/ihre eigenen Motive.
No. 3 Minderwertigkeit
Ich wage zu behaupten, dass diese Emotion mittlerweile die Grundemotion unserer Gesellschaft geworden ist. Mir scheint es, als ob sich zunehmend alles darum dreht, gesehen, gehört, gelobt, befördert oder bewundert zu werden. Die Minderwertigkeit ist eng geknüpft an Scham. Doch während Scham meist von außen kommt, nähren wir unsere Minderwertigkeit oft selbst – Tag für Tag, durch unsere eigenen Gedanken.
Wir leben in der westlichen Welt einen Lebensstil, der nur selten die andere Perspektive betrachtet. Die Minderwertigkeit wird permanent getriggert; sei es durch Social Media, Werbung oder unseren Freundeskreis. Die Kehrseite der Minderwertigkeit ist Wertigkeit. Oder anderes gesagt: du bist wertvoll.
Vielleicht verstehst du nun, warum ich von einem Heer aus dunklen Kriegern spreche. Die oben beschriebenen Gefühle sind vielleicht nicht neu für dich. Aber ihre Wirkung ist fatal. Diese Emotionen haben die Fähigkeit, ihre Fäden in all unsere Lebensbereiche zu ziehen und uns somit immer mehr von dem zu überzeugen, was sie uns vorgeben: „Du bist schuld, dass…“ , „Ich habe verdient, dass…“ , „ich wäre lieber wie …“
Aber so düster das klingen mag – ich möchte dir Mut machen.
Diese Emotionen haben vielleicht einen Platz in deiner Vergangenheit. Aber sie müssen keinen Platz in deiner Zukunft haben. Sie lassen sich entmachten – schneller, als du denkst. Denn sie leben nur durch eines: die Macht, die du ihnen gibst.
Du darfst diese Macht zurücknehmen.
Licht vertreibt Dunkelheit.
„Gott ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ (Psalm 27,1)
Wenn du heute spürst, dass dich diese Zeilen berühren, dann nimm dir einen Moment. Schau nicht in die Dunkelheit. Schau ins Licht.
Und geh den ersten Schritt – zurück zu dir.
Du bist nicht allein damit.
Dieser Text basiert auf persönlichen Erfahrungen und innerer Reflexion. Er erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, ist nicht wissenschaftlich fundiert und ersetzt keine psychologische oder therapeutische Beratung.
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