Warum Schuld nur in unseren Köpfen existiert

Wir sind noch immer in der kurzen Beitragsreihe „Toxische Gefühle“. Nachdem ich im letzten Blogbeitrag über die Scham gesprochen habe, möchte ich mich heute der Emotion widmen, die unweigerlich in Kombination mit Scham auftritt: Schuld.
Möglicherweise ist dir im ersten Moment gar nicht bewusst, wie sehr diese Emotion in deinem Alltag vorhanden ist. Schuld klingt wie ein schwerer Felsen, der uns niederdrückt. Schuld kann jedoch auch die liebliche Stimme im Kopf sein, die ständig etwas entgegensetzt. Vor allem, wenn es darum geht, Dinge zu reflektieren oder umzusetzen, die nah an den eigenen Bedürfnissen stehen. Dann kann Schuld sich manchmal auch trügerisch in Fürsorge für andere oder Moral kleiden.
Vielleicht gehörst auch du zu den Menschen, die dazu neigen, sich am Tag 100x für Dinge zu entschuldigen. Per se sind Entschuldigungen nicht schlecht. Aber sie müssen angebracht sein. Wer sich für eine Frage entschuldigt, für Dinge, die andere an dir stören oder für zu lautes Atmen (übertrieben gesagt), sollte sich vielleicht näher mit dem eigenen Schuldgefühl beschäftigen.
Denn Ent-schuldigen ist dabei nichts anderes, als sich selbst von einem Schuldgefühl loszusagen.
Auch Schuld ist eine angelernte Emotion. Babys können keine Schuld empfinden. Kinder können es jedoch lernen.
Vielleicht wurde dir suggeriert , dass du Schuld hast. (Es geht hier nicht um tatsächliche Schuld, sondern um Schuldvorwürfe durch andere). Kennst du das?
- Schuld, dass du zu laut warst.
- Schuld, wenn etwas kaputt gegangen ist.
- Schuld, wenn sich deine Schwester/dein Bruder verletzt hat, weil du „nicht richtig aufgepasst hast.“
- Schuld, weil du schulische Probleme hattest oder
- Schuld, weil du nicht das Kind warst, das deine Eltern sich gerne gewünscht hätten.
- Schuld, dass du zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß warst
Was auch immer es war, was dir als Schuld suggeriert wurde:
Es war eine Lüge.
Doch das wird uns manchmal erst sehr spät im Leben klar – wenn überhaupt. Stattdessen tragen wir das permanente Gefühl der Verantwortung – oftmals auch für Dinge, die weit außerhalb unseres Wirkens liegen.
Wir können weder Emotionen von anderen steuern, noch deren Gedanken. Wir können Umstände nicht beeinflussen und auch nicht das Wetter. Wir können keine Unfälle vermeiden und auch keine Heilung herbeiführen. (letzteres ist Ansichtssache)
Als ich im Dezember 2024 bei Tony Robbins gewesen bin, habe ich versehentlich beim Tanzen eine Frau mit meinem Ellenbogen am Hinterkopf getroffen. Sie hat mir deutlich signalisiert, dass ich in ihren Augen einen Fehler gemacht habe. Eine Dramaqueen schlechthin, sodass ich nach zweimal Wasser und einem Eispack holen, noch immer völlig am Boden zerstört war. Die Schuldgefühle, die mich geplagt hatten, waren Dimensionen, die mir so vorher nicht bewusst gewesen sind. Und ich merkte: Oh Mist, da liegt ganz schön viel im Verborgenen.
So richtig an das Thema traute ich mich dann aber noch nicht.
Doch der innere Prozess hatte ohnehin gestartet, ohne, dass ich es beeinflussen konnte. Heute, gute 8 Monate später, kann ich nun auch das Thema Schuld aus einer ganz neuen Perspektive betrachten.
Da ich immer auch einen christlichen Bezug nehme, ist mir dies in Zusammenhang mit Schuld besonders wichtig.
Eine zentrale Botschaft, die das Kreuz verkündet, ist die Vergebung der Sünden und der Befreiung von Schuld. Ich habe das nie verstanden. Ich habe das Kreuz immer als ein Symbol interpretiert, das aus der Antike kommt und das für mich persönlich keine Bedeutung hatte.
Doch Gott ist geduldig und lässt uns unsere Zeit. Er reinigt unser Herz von innen und ist behutsam und sanft. Er gibt uns genau die richtige Dosis, weil er weiß, was wir tragen können. Er fordert uns auf, hinzusehen, uns verändern zu lassen. Nicht aus eigener Kraft, aber aus eigenem Willen.
Die eigenen Schuldgefühle vor das eigene Kreuz zu bringen, ist Erlösung. Es ist der Moment, in dem ich erkennen durfte:
Schuld ist eine Illusion.
Schuld ist dazu da, um uns von uns selbst zu trennen. Um uns von anderen Menschen zu trennen. Um uns von Gott zu trennen. Sie ist das Gegenteil von dem, was Gott für uns möchte. Und daher bietet er uns die großartige Gelegenheit, dieses Paket abzustellen.
Wir entscheiden selbst, wie weit wir es noch tragen möchten. Aber es gibt keinen Grund, dieses Gewicht noch einen Tag länger auf dem Rücken zu tragen.
Jesus wurde als Teil von Gott, als sein Sohn, in unsere Welt gesandt, um uns dieses Geschenk der Erlösung zu ermöglichen. Das Kreuz ist kein altertümliches Symbol. Es ist das Zeichen der Erlösung unserer Schuld(gefühle), die wir nun endlich abgeben dürfen.
Ich möchte dich zu einem Gebet einladen:
„Jesus, du siehst, wie lange ich dieses große Paket bereits auf meinem Rücken tragen. Du siehst all die kleinen und großen Momente meines Lebens, in denen sich Schuld angesammelt hat. Schuld, die nicht mir gehört. Verantwortung, die ich niemals hätte tragen müssen. Ich danke dir für das Geschenk der Erlösung. Ich lege nun meine Schuld vor dein Kreuz und bitte dich um Heilung. Heile mein Herz und schaffe Raum, damit neues Wachsen darf.“
Amen
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