Wie ein Trauma entsteht

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und was du tun kannst, damit es nicht passiert

*triggerwarnung*

Ich weiß nicht, ob du dich jemals mit dem Begriff „Trauma“ beschäftigt hast. Mir kommt es fast vor, als ob es eine Art Hype-Begriff geworden ist. Seit gefühlt zwei Jahren sprechen immer mehr Menschen von ihrer Traumaheilung, ihrem inneren Heilungsweg oder setzen Triggerwarnungen vor ihre Texte aus Sorge, dass jemand dadurch retraumatisiert werden könnte.

Doch was genau ist eigentlich ein Trauma? Wie entsteht das? Und wie können wir uns davor schützen?

Definition der deutschen Traumstiftung: Ein Trauma (griech.: Wunde) ist ein belastendes Ereignis oder eine Situation, die von der betreffenden Person nicht bewältigt und verarbeitet werden kann. Es ist oft Resultat von Gewalteinwirkung – sowohl physischer wie psychischer Natur. Bildhaft lässt es sich als eine „seelische Verletzung“ verstehen (…) , die einen Menschen das Leben lang beeinträchtigen.
Wie eine körperliche Verletzung Zeit braucht, um zu verheilen, ist auch ein Trauma eine Verletzung der Seele, die ebenfalls Zeit braucht zum Verheilen. (Quelle: https://www.deutsche-traumastiftung.de)

In der Definition wird schon kurz angerissen, wie ein Trauma entstehen kann: durch äußere Gewalteinwirkung. Ob diese von Menschen gemacht ist, durch Naturkatastrophen, Krieg oder Unfälle spielt keine Rolle. Auch psychische Gewalt wie etwa Machtausübung in Beziehungen, Gaslighting (das Verzerren der eigenen Wahrnehmung durch eine andere Person) oder Demütigung und Entwertung durch andere (z.B. Mobbing) kann zu einem Trauma führen. Ungeachtet dieser beiden Kategorien kann auch der Verlust eines Menschen zu solch einer seelischen Wunde führen. Je nach Ursache wird zwischen einem Schocktrauma oder einem Entwicklungstrauma unterschieden. Ein Schocktrauma basiert auf einem plötzlich eintretenden Ereignis während ein Entwicklungstrauma über viele Jahre hindurch sich aus wiederholenden Ereignissen entwickelt.

Neben dieser etwas faktischen Definition (die mir an dieser Stelle aus Seriösitätsgründen wichtig ist), möchte ich dir gerne noch meine eigene mitgeben. Ich beschreibe ein Trauma so:

Ein Trauma ist ein Gefühlssturm, der seit langer Zeit in einem wütet und den man trotz seiner zerstörerischen Macht weder sehen noch fühlen kann. Er hat Schäden angerichtet und sorgt stets für neue, wenn man nicht lernt, diesem Sturm zu begegnen und ihn Stück für Stück zu bändigen. Aus Angst vor diesem Ungetüm entwickelt man alle möglichen Dinge, um diesen nicht sehen zu müssen.

Man ignoriert den Sturm.

Man leugnet den Sturm.

Man behauptet, der Sturm gehört zu einem anderen Körper, aber nicht zum eigenen.

Man vergisst den Sturm.

Daraus resultieren dann Dinge wie etwa Vermeidungsstrategien, Dissoziation oder eine partielle Amnesie.

Es ist wichtig zu verstehen, dass dies alles Schutzmechanismen sind, die einst dafür gesorgt haben, mit dem damaligen Ereignis zurecht zu kommen. Ein Trauma ist keine Krankheit, sondern eine Folge unaufgelöster Emotionen, die das Gehirn in Form dieses Gefühlssturm weggepackt hat, damit es überleben kann. Das zugrunde liegende Gefühl ist Ohnmacht. Ohnmacht einer oder mehrerer Situationen gegenüber, die zum damaligen Zeitpunkt nicht gehalten werden konnte.

Wir alle sind nicht vor diesen Schockmomenten des Lebens geschützt. Sie kommen plötzlich und unerwartet und fordern uns heraus mit ihnen umzugehen. Niemand wünscht sich das. Und doch ist es ein Teil unseres Lebens. In so einer Schockphase die Fassung zu behalten und sich zu sagen „ich weiß nicht, wie ich es tragen soll, aber ich werde es irgendwie schaffen“ ist nicht nur wichtig, sondern überlebenswichtig. Damit wird der Ohnmacht eine Grenze gesetzt und nicht zugelassen, dass sich diese im Hintergrund weiter auftürmen kann.

Bitte markiere dir diesen Satz und packe ihn dir in eine Box, die du herausziehst, wenn du es benötigst:

„Diese Situation habe ich in meinem Leben nicht gewollt. Sie schmerzt. Ich habe wahnsinnige Angst. Aber ich lasse mich nicht von ihr überwältigen. Ich werde es aushalten, in dem ich darüber mit xy spreche.“

XY steht hier für einen oder mehrere Menschen. Freunde. Seelsorger. Psychologen. Gott. Wer auch immer es ist, der dir zuhört, du musst sprechen. Nicht erst, wenn es nicht mehr wehtut, sondern dann, wenn es am schmerzhaftesten ist.

Nur dann entsteht Einheit statt innerer Zerrissenheit. Nur dann entsteht Verarbeitung statt Verdrängung. Nur so entsteht Heilung statt einer Wunde.

Und auch, wenn dein Schockmoment längst vorbei ist, hast du jederzeit die Chance, den Weg der Traumaheilung zu gehen. Der Punkt, an dem die Traumaheilung beginnt ist also einzusehen, dass da ein Sturm ist, der Aufmerksamkeit braucht und den man in einem professionellem Setting (!) begegnen muss.

Das alles mag jetzt vielleicht wahnsinnig schwer und schmerzhaft klingen. Klopf dir einmal auf die Schulter, wenn du bis hierhin bereits weitergelesen hast. Und nun atme einmal tief ein und aus.

Vielleicht haben diese Zeilen etwas mit dir gemacht. Nimm es war. Notier es dir irgendwo und leg es wieder zur Seite. Am Ende dieser Seite findest du ein paar Anlaufstellen, die du nutzen kannst.

Bevor ich diesen Text jedoch beende, möchte ich dir noch eine große Portion Zuversicht mitgeben.

Die Prüfungen, denen ihr bisher ausgesetzt wart, sind nicht über ein für uns Menschen erträgliches Maß hinausgegangen. Und Gott ist treu; er wird euch ´auch in Zukunft` in keine Prüfung geraten lassen, die eure Kraft übersteigt. Wenn er euren Glauben auf die Probe stellt, wird er euch auch einen Weg zeigen, auf dem ihr die Probe bestehen könnt.

1.Korinther 10,13 (NGÜ)

Bleibe im Vertrauen, dass Gott den Plan hat. Dass du nicht alles in deinem Leben kontrollieren kannst. Und dass Gott dich liebt, mit allem was du bist und in dir trägst.

Lass nicht zu, dass du eine innere Mauer baust, die dich von Güte, Barmherzigkeit und Liebe trennen. Jeder verdient sie.

Ganz besonders Du.

Anlaufstellen für Traumaaufarbeitung:

Telefonseelsorge: 0800/1110111 (anonym)

Opfer und Traumaambulanz: https://www.bios-bw.com/betroffene

Therapeutensuche: https://www.kvbawue.de/patienten/arztsuche/arztsuche-informationen

Krankenkasse, Hausarzt

Dieser Text basiert auf persönlichen Erfahrungen und innerer Reflexion. Er erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, ist nicht wissenschaftlich fundiert und ersetzt keine psychologische oder therapeutische Beratung.

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