Ein Gefühl, das eine Lüge ist

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„Wir alle kennen dieses Gefühl – die einen mehr, die anderen weniger. Aber manchmal tut es gut zu wissen, wie man ihm begegnen kann in der Hoffnung, dass es irgendwann ganz verschwindet.“

Ich starte heute mit dem dritten Gefühl aus der Reihe der toxischen Gefühle. Der Minderwertigkeit.

Ich will ganz ehrlich sein. Dieses Gefühl zu beschreiben und die Mechanismen dahinter zu beleuchten kostet mich einiges an Überwindung. Denn oftmals sind es die super selbstbewussten Menschen, die innerlich voller Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle geplagt sind. 

Auch ich gehöre dazu. Und ich erwische mich immer noch regelmäßig dabei, dass ich in einigen Lebensbereichen dieses bodenlose Gefühl empfinde – vor allem, wenn ich nicht in mir selbst verankert bin. 

Krisen gehören zum Leben dazu. Krisen sind die Tiefs, die uns rückblickend stärker machen, aber die wir uns dennoch immer sofort beseitigt wünschen, wenn wir mitten drinnen stecken. 

Krisen sind leider auch genau diese Lebensphasen, in denen toxischen Gefühle sich verstärken können. Die Minderwertigkeit ist sicherlich eine der ersten Emotionen, die darauf wartet, endlich ins Rampenlicht zu treten. 

Doch was genau sagt dieses Gefühl eigentlich aus?

Minderwertigkeit ist ein Wort, das sich gut zerteilen lässt. Minder = weniger ; Wertigkeit = Würde, Gehalt eines Menschen. Jedoch: eine reine Minderwertigkeit eines Menschen gibt es gar nicht. 

Und so können wir höchsten Minderwertigkeit empfinden; es ist und bleibt ein Gefühl ohne Anspruch auf Gültigkeit. Denn Fakt ist: Jeder Mensch ist wertvoll. Jeder Mensch hat eine Würde, die unantastbar ist. Diese zwei Dinge sind unverrückbar. 

Eine Tatsache jedoch ist, dass wir selbst es sind, die uns diese Würde zu oft nehmen. 

Wie entstehen Minderwertigkeitsgefühle? 

Es gibt in meinen Augen mehrere Ursachen dafür. Eine jedoch ist, dass du in deinem engsten Umfeld – sei es im Freundeskreis, in deiner Schulklasse oder in deinem Elternhaus – nicht so angenommen wurdest, wie du bist.

Vielleicht wurdest du zu oft auf deine Fehler hingewiesen als auf das, was dich besonders und einzigartig macht. Vielleicht warst du ständig dem Vergleich mit anderen ausgesetzt, bei dem du prinzipiell den Kürzeren gezogen hast. Oder du hast gelernt, dass andere sich dir gegenüber komisch verhalten, sich abwenden oder sogar ablehnen, wenn du nicht eine ganz bestimmte Rolle einnimmst. 

Und so lernen wir unglücklicherweise, dass die vermeintliche Minderwertigkeit in unserem Inneren zum Kompass in unserem Leben wird. 

Wir tun Dinge, in der Hoffnung, dass sie unsere inneren Selbstzweifel stillen. Wir denken Dinge über uns, die unvorteilhaft sind und uns in tiefe Traurigkeit und innere Wut stürzen können. Und wir sehen Dinge in anderen, die eigentlich gar nicht da sind.

Konkret gesagt bedeutet es, dass die Minderwertigkeit in unserem Inneren den Blick trübt und uns die Welt mit anderen Augen sehen lässt. Und das in all unseren Lebensbereichen – im Job, in unserer Selbstliebe, in Freundschaften, in der Ehe oder auch im Hinblick auf unseren Körper.

Da dieser Schmerz so groß ist, tun wir alles, um ihm zu entkommen – bis zur totalen Erschöpfung. 

Doch es gibt einen Ausweg. Der Ausweg bist du selbst.

Wie entkommt man dem Gefühl von Minderwertigkeit?

Und nein, das bedeutet nicht, dass du vor deinem Schatten der Minderwertigkeit weglaufen sollst. 

  • Du hast Angst davor, dass dein Partner*in dich verlassen könnte? Trennung ist keine Option.
  • Du hast Angst davor, den Job zu verlieren? Kündigung ist keine Option
  • Du hast Angst davor, dass andere dein Aussehen ablehnen könnten? Schönheitswahn ist keine Option.
  • Du hast Angst davor, dass andere dich für dick halten könnten? Diäten sind keine Option.
  • Du hast Angst davor, dass andere dich für arm halten könnten? Luxus-Lifestyle ist keine Option.
  • Du hast Angst davor, dass andere dich für schwach halten könnten? Alphatier-Verhalten ist keine Option.
  • Du hast Angst, dass andere dich für erfolglos und einen Nichtsnutz halten könnten? Workaholic ist keine Option.
  • Du hast Angst, dass andere liebenswerter sind als du? Arroganz und Stolz sind keine Option.

Und während du das liest, könnte es allmählich klar werden, dass wir alle diese Minderwertigkeitsgefühle in uns tragen. Bei den einen ist es offensichtlicher als bei anderen. Aber im Kern sind sie vorhanden, wenn wir sie nicht in uns selbst entlarven.

Und im Kern ist es immer dasselbe Gefühl: Angst. Angst nicht genug zu sein.

„Aber eines ist sicher: So kostbar, wie dein Leben in meinen Augen ist, so kostbar ist dem Herrn auch mein Leben. Eines Tages wird er mir aus allen Schwierigkeiten helfen.“ (1. Samuel 26,24)

Du bist kostbar. 

Du bist genau so richtig, wie du bist.

Du darfst dich frei bewegen ohne Angst haben zu müssen, dass du nicht genug bist.

Zerschlage diese Stimmen der Zweifel, denn sie sind nicht Teil dessen, was uns taugt. Sie zerstören uns. 

Und wenn du glaubst, dass diese Stimme irgendwann wieder einmal stärker ist als du, dann nutze folgendes Gebet:

„Lieber Gott, du siehst, dass ich wieder einmal von diesen tiefen Zweifeln durchzogen bin. Ich will das nicht. Ich will nicht länger fühlen und denken, dass ich nicht genug bin. Du hast es mir zugesprochen und ich will nun endlich in dieses tiefe Vertrauen kommen, dass es wahr ist. Bitte nimm mir diese zerstörerischen Zweifel und schenke mir stattdessen inneren Frieden. Danke.“

Manchmal hilft es zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Und so möchte ich dir Mut machen, diesen inneren Zweifeln zu begegnen.

Angst legt sich bekanntlich dann, wenn man ihr begegnet. Und so ist es auch hier.

Sei mutig. Ich bin es auch.

Dieser Text basiert auf persönlichen Erfahrungen und innerer Reflexion. Er erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, ist nicht wissenschaftlich fundiert und ersetzt keine psychologische oder therapeutische Beratung.

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