die Reinigung des herzens

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Dies ist wohl der ehrlichste Artikel, den ich bisher geschrieben habe. Aber er ist mir wichtig. Und ich merke, dass es Zeit ist, die Fassade allmählich mal für euch zu beleuchten hinter der ich mich gerne verstecke.

Ich möchte ehrlich zu euch sein und zeigen, warum sich Wachstum lohnt.

Es gibt da also diese Fassade in meinem Leben von der ich nicht sicher war, ob sie mir taugt oder mich eher von mir selbst trennt. Und so fragte ich mich vor rund einem Jahr, ob ich nicht auch ohne sie leben könnte. Ich fragte mich, was es mich kosten würde sie abzureißen. Darauf hatte ich keine Antwort. Aber ich hatte eine Antwort auf die Frage, was es mich kosten würde, sie stehen zu lassen.

Heute bin ich verletzlicher geworden. Verstecke meine Emotionen nicht mehr. Weine mittlerweile auch in der Öffentlichkeit, wenn mir danach ist. Ich habe meine tiefe Verbindung zu Jesus gefunden, der zu meinem Fels und Licht geworden ist. Ich habe meine weiche Seite entdeckt und ein Stück weit die harte Fassade aufgegeben, die ich die letzten 10 Jahre nach außen getragen habe. Errichtet aufgrund von Ereignissen in meinem Leben, die ich mir nicht gewünscht habe.

Diese Fassade diente mir, um zu überleben. Um mit Dingen zurechtzukommen, die mir wiederfahren sind. Und die mein Verstand nicht greifen konnte. Statt eines gebrochenen Herzens errichtete ich diese Fassade, die mir all die Stärke zurückgab, die mir genommen wurde. Aber sie war von Natur aus nie wirklich ein Teil von mir gewesen.

Nahe ist der HERR denen, die ein gebrochenes Herz haben. Er rettet alle, die ohne Hoffnung sind.

Psalm 34,19

Im September 2024 beschloss Gott, dass es an der Zeit war, mein Herz allmählich von den Ketten zu befreien. Der Prozess startete mit einem Event, das ich in Köln besuchte. Dieses Event öffnete in mir ein Ventil, von dessen Existenz ich vorher nicht wirklich gewusst hatte. Ebenso wenig von dem inneren Druck und von dem Schmerz, der in mir vergraben lag. Aber ich spürte, dass der Zeitpunkt da war es anzuschauen und ich spürte Gott an meiner Seite, der mich in die erste Phase der Veränderung leitete.

Ich begann, das anzuerkennen, was da ist. Begann eine erste Verbindung in mein Innerstes herzustellen und auf Empfang zu gehen. Nach dem Event war ich happy und der Meinung, dass es das bereits gewesen sei und ich nun alle Tools besaß, um mein Leben fortan besser bestreiten zu können.

Ich irrte mich.

Das geöffnete Ventil entließ in den darauffolgenden Wochen und Monaten so viel emotionalen Müll in mein System, dass ich einige mutige, aber auch andere schmerzhafte Entscheidungen traf.

Einige davon stellten meine Ehe auf eine harte Probe. Nicht nur einmal. Sondern mehrfach.

Ich pendelte zwischen dem Wunsch zu lieben, geliebt zu werden und meiner Scham und Schuldgefühle, die mir einredeten, nicht liebeswert zu sein. Es war ein einziges Chaos, in dem ich gefangen war. Eine Ambivalenz, die ich auch nach außen trug.

Im Hinterkopf immer das Bewusstsein, dass ich es eigentlich besser wissen müsste. Aber ich hatte längst die Kontrolle über meine Emotionen verloren und war im Notprogramm des Traumas gefangen. Die Automatismen der Zerstörung hatten all ihre Geschütze aufgefahren. Doch ich kämpfte tapfer.

Jetzt, nachdem die 12 Monate der Transformation durchlaufen sind, staune ich.

Ich staune, dass ich immer noch stehe. Zwar erschöpft und müde von all den inneren Kämpfen, aber ich stehe hier.

Ich staune, dass trotz der vielen Stürme meine Ehe standgehalten hat und noch immer besteht. Zwar verletzt und teilweise auch gezeichnet, aber sie existiert. Und sie regeneriert.

Ich staune über das Geschenk der Vergebung, das sich für mich zwar noch immer fremd anfühlt, aber unerlässlich ist, wenn es um Heilung geht.

Ich staune, dass ich intensiver fühle als je zuvor. Und dass nicht nur in eine Richtung, sondern in beide Richtungen. Ich kann mich besser auf die Liebe einlassen ohne das Bedürfnis zu haben von ihr davon zu rennen. Und ich kann sie aufrichtig zeigen, ohne Angst zu haben, verlassen zu werden.

Ich staune, dass ich verstanden habe, dass das Leben nicht aus einem entweder…oder, sondern aus einem sowohl…als auch besteht.

Und am meisten staune ich über die Wunder, die Gott in den letzten 12 Monaten in mein Leben gestellt hat. Er hat mir Menschen an die Seite gestellt, die für mich und meine Familie, für meine Kinder, meinen Mann und unsere Ehe beten. Die zuhören. Die ermutigen. Die mir neue Sichtweisen und Perspektiven aufzeigen aus denen ich wählen durfte.

Gott war zu jedem Zeitpunkt da.

Als ich nachts weinend in meinem Schlafzimmer zu Boden gesunken bin. Aber auch als ich voller Freude am Pazifik in West Palm Beach saß.

Gott hat mir auf Mallorca den schönsten Regenbogen geschenkt – in einer Zeit, in der ich in die völlig falsche Richtung lief.

Gott hat mir Menschen an die Seite gestellt, die immer dann Einspruch erhoben haben, wenn ich mir einer Sache völlig sicher war.

Gott hat seine schützende Hand über uns und die Menschen gehalten, die wir lieben und uns vor Unheil bewahrt.

Und Gott hat mir 2016 (in weiser Voraussicht) den Ehemann an meine Seite gestellt, den es mit seinen Fähigkeiten und Eigenschaften braucht, damit ich diesen Prozess durchlaufen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar. #partnerincrime

Zurück zu meiner Fassade. Heute habe ich einen anderen Blick darauf entwickelt. Ich blicke mit Dankbarkeit darauf. Denn diese Fassade hat mich davor bewahrt an Dingen zu zerbrechen. Sie hat mir Stärke gegeben und mich funktionieren lassen. Und ja, ich habe mich dagegen entschieden sie einzureißen. Sie hat auch ganz nützliche Funktionen. Aber ich wollte wissen, was sich hinter dieser Fassade verbirgt und verstehen warum sie errichtet wurde. Mit diesem umfänglichen Blick hat sich für mich viel verändert und ich habe ein viel tieferes Bewusstsein für mich entwickeln können.

Nicht alles, was aus Schmerz entstanden ist, ist schlecht. Wichtig ist, dass wir unsere Überlebensstrategien bewusst einsetzen und sie nicht zu Mauern und Ketten unseres Herzens werden.

Ich weiß, dass dieser Text vielleicht für viele Menschen viele Fragezeichen hinterlässt. Aber vielleicht ist er genau für eine Person bestimmt, die ganz genau versteht wovon ich rede. Vielleicht wurdest auch du in den Transformationsprozess geschickt. Gott wäscht uns rein. Er säubert unser Herz und erhellt die Schatten, die sich darin versteckt halten. Dieser Prozess ist nicht leicht, aber Gott wählt genau das Tempo, damit du es tragen kannst.

Lass mich dir Mut zusprechen. Bleibe im Gebet. In der Dankbarkeit. Bleibe im Vertrauen (aktuell noch meine Challenge).

Lass dich gebrauchen und werde ein Werkzeug für Gottes Tun. Sei bereit loszulassen (und damit meine ich nicht deine Liebsten, sondern deine Eitelkeit).

Gehe in Demut und Hingabe deinen Weg.

Sei segnet,

Anne

»Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt, um mir allein zu dienen.

Jeremia 1,5

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