
Vielleicht habe ich dich mit meinen bisherigen Artikeln ein klein wenig neugierig machen können, was den Glauben angeht. Vielleicht hast auch du schon dein Leben Gott übergeben, vielleicht haderst du noch oder du bist meilenweit davon entfernt, das Wort Gott nur in den Mund zu nehmen.
Mein Ziel ist es mit diesem Blog nicht, dich zu bekehren. Ich möchte mir jedoch erlauben, aufrichtig von meinen Erfahrungen zu sprechen und aufzeigen, wie Gott mein Leben seit langem beeinflusst, zu welchen Wundern er im Stande ist und warum ich diese Kraftquelle nicht mehr missen möchte. Zu oft erlebe ich, dass Menschen anderen Menschen all ihr Tun und Handeln zuschreiben. Das sehe ich anders. Denn ich weiß, dass ich ohne dieser göttlichen Ressource aus keiner meiner Krisen eigenständig herausgekommen wäre.
Doch wann war der Zeitpunkt als Gott in mein Leben trat?
Ich lernte Gott so richtig kennen, als mein Leben mit 13 Jahren das erste Mal in den Schleudergang geriet. Als meine Eltern mir 2004 offenbarten, dass uns ein Umzug bevorstünde, war ich nicht sehr begeistert. Ich liebte die niedersächsische Kleinstadt, in der ich wohnte. Die Schule, auf die ich ging, war seit Kindheitstagen mein absoluter Lieblingsort gewesen und für mich stand fest, dass ich genau dort auch meine Schule beenden wollte. Meine Freunde kannte ich teils noch aus der Grundschulzeit, andere hatte ich im Gymnasium neu dazu gewonnen. Als im Juli 2005 der letzte Schultag anstand und ich zu einer heimlich geplanten Abschiedsparty meiner damaligen Schulklasse eingeladen wurde, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich weinte so sehr. Denn ich wusste nicht, wie ich die Distanz von 428km halten sollte. Und so fühlte es sich an wie ein „Abschied für immer.“
Die Ankunft in meiner neuen Heimat machte es nicht besser. Die Klasse, in die ich kam, nahm mich als ihr neues Opfer entgegen. 365 Tage lang erlebte ich Schikane, Hänseleien und Gewalt, da ich mich einfach für die falschen Freunde entschied. Ich hielt hin. Hielt es aus. Und sprach mit niemandem über das, was in mir vorging. Für mich war dieser Clash ein absoluter Albtraum gewesen und ich wünschte mir einfach nur mein altes Leben in meiner niedersächsischen Kleinstadt zurück…
„Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“ EG 533
Eines Tages landete ich einer Mädchen-Jungschar. Davor hatte ich nie davon gehört, aber da ich ohnehin nur wenige Meter von der Kirche entfernt wohnte, zog es mich dorthin. Es war ein heilsamer Ort. Ein Ort, an dem ich andere Mädchen kennenlernte. Wir hörten Geschichten. Sangen Lieder miteinander. Tauschten uns aus. Es gab ein Mädchen, das mich mit einem wertschätzenden und aufrichtigen Blick ansah. Und so kam es, dass aus einer ungezwungenen Geburtstagseinladung eine ganz besondere Freundschaft entstand. Die erste, die ich in Baden-Württemberg schloss und die mich auch heute noch durch die Höhen und Tiefen meines Lebens begleitet. Sie ist ein Engel gewesen in einer Zeit, in der alles um mich finster war.
Ich lachte wieder. Erlebte Abenteuer mit ihr. Sie begleitete mich, als ich meinen ersten (richtigen) Freund kennenlernte. Und sie begleitete mich, als er mich wieder verließ.
Auf einer Jugendfreizeit gab es einen Abend, an dem jedes Mädchen für sich entscheiden durfte, ob es am Kreuz ihr Leben an Jesus übergeben möchte. Ich entschied mich dazu, dies zu tun.
„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ – Hesekiel 36,26
Ich entschied mich, dass ich diesen Gott, der mir Engel schickte, in meinem Leben haben wollte. Und so sagte ich Ja.
Ja zu einem Leben, in dem ich bereit sein würde, mich an die Hand nehmen zu lassen.
Ja zu einem Leben, in dem ich über meine Grenzen gehe, um Gottes Stimme zu folgen.
Ja zu einem Leben, in dem ich Krisen durchlaufe – in dem Wissen, dass es Dinge sind, die mich stärker machen.
Und so überlebte ich 2005 diese schikanierende Schulklasse.
Ich überlebte 2011 eine Essstörung.
Ich überlebte 2012 & 2015 zwei Straftaten, die mich tief in meiner Würde erschüttert haben.
2016 überwand ich die Enttäuschung über die Trennnung meiner Eltern – vier Tage vor meiner eigenen Hochzeit
2017 überwand ich die Gefühle von Verlust, Trauer und Überforderung nachdem mir Ärzte mehrmals sagten, dass das Leben meiner ungeborenen Tochter am seidenen Faden hing
Und schließlich überlebte ich all die negativen Auswirkungen in Form von inneren Überzeugungen, Glaubenssätzen und Meinungen über mich, die sich aufgrund von verschiedenen Gewalterfahrungen in mir gebildet hatten.
In 2024/2025 überlebe ich eben jene Schmerzen, die die Aufarbeitung all dieser Ereignisse mit sich bringt…
„Meine Gnade muss dir genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ – 2. Korinther 12,9
All das hätte ich ohne Jesus in meinem Leben nicht geschafft.
Er ist mein Fels. Er ist mein Anker, der mich bedingungslos liebt.
Und der mir ein sowohl…als auch schenkt.
Er trägt mich und lässt mich nicht brechen.
Er lässt mich lachen und schenkt mir Kraft, dass ich trotz all dieser Herausforderungen gut für mich und meine Kinder sorgen kann. Er blickt auf mich und schenkt mir die Dinge, die ich in seinen Augen brauche. Und so hat mich Gott nun für 3 Wochen auf eine Insel gesetzt, den Stopp-Knopf gedrückt und mich herausgefordert, endlich mit diesen Ereignissen und dessen Folgen abzuschließen.
Gott schenkt mir Heilung und macht das möglich, was für viele Menschen unmöglich erscheint: Ein gesegnetes Leben trotz tiefer Krisen.
Ich bin mit zwei wunderbaren und gesunden Kindern gesegnet. Mit einer standhaften Ehe. Mit einem starken und gesunden Körper. Mit einer resilienten Seele. Mit einem kreativen Unternehmen und wundervollen Mitarbeiterinnen. Ich wurde mit genialen Gaben und Talenten ausgestattet, die ich immer noch entdecken darf und die mich einzigartig machen.
Und ich entdecke wieder den Optimismus, die Freude und die Leichtigkeit meines Lebens.
Ich bin gesegnet mit so viel Gutem; trotz, oder vielleicht auch gerade wegen all der Brüche in meinem Leben. Sie haben mich in die Tiefe geführt und zu der starken Persönlichkeit gemacht, die ich heute bin.
Gottes Liebe hört niemals auf!
„Wir haben erkannt, dass Gott uns liebt, und wir vertrauen fest auf diese Liebe. Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ – 1. Johannes 4,16
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