Heute möchte ich über ein Thema schreiben, das in meinen Augen eine Hauptbaustelle von uns Menschen ist: unsere Kommunikation. Ich lerne seit einigen Monaten, dass die Kommunikationsmuster, die wir im Umgang mit anderen nutzen, so vielschichtig und gleichzeitig so unbewusst sind, dass deren Ausmaß manchmal erst nach einiger Zeit sichtbar wird.
Seit einigen Jahren gibt es verschiedenen Bewegungen rund um die Kommunikation. Vielleicht ist dir das Wort „Achtsame Kommunikation“ , „Bedürfnisorientierte Kommunikation“ oder auch die „Gewaltfreie Kommunikation“ schon einmal begegnet. Ich bin nun keine Kommunikationswissenschaftlerin, aber ich habe als Ernährungstherapeutin genug Einzeltherapien mit meinen Klient:innen gehalten, um sagen zu können, dass es zu 95% nicht der sachliche Inhalt ist, der den Unterschied macht.
Heute möchte ich dir ein paar Gedankenimpulse an die Hand geben, um dich mit dem Themenfeld der Kommunikation auseinanderzusetzen.
Ich behaupte, dass wir als Gesellschaft unsere Kommunikation dank Social Media auf eine ganz schön harte Probe stellen. Es ist heutzutage absolute Normalität geworden, dass in Kommentarspalten von Zeitungsartikel oder unter Instagram-Posts Menschen sich verbal an den Hals springen. Wo im realen Leben noch ein Funke von Zurückhaltung herrscht, ist das Netz mittlerweile zu einer Einladung geworden, um sich gegenseitig auseinanderzunehmen. Manche präferieren hier sogar den Status Anonymus, was die Sache in meinen Augen recht perfide erscheinen lässt. Angriffe aus dem Hinterhalt, ohne zu wissen, wer eigentlich dahinter steckt. Not cool.
Ob in Kommentarspalten, Google-Bewertungen oder privaten Chats – die Gefahr, in eine Eskalationsspirale zu geraten, ist groß geworden. Manchmal auch dann, wenn man eigentlich lieber den freien Vormittag genießen wollte anstatt sich mit eisbäär_504 in der Kommentarspalte von xynews öffentlich zu streiten.
Im ersten Semester lernte ich in der Psychologievorlesung das 4-Ohren-Modell noch einmal in der Tiefe kennen. Für alle, die davon noch nicht gehört haben, erkläre ich es kurz: Das 4-Ohren-Modell (auch: 4-Seiten-Modell nach Schulz von Thun) unterscheidet eine ausgesprochene Botschaft nach Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehungs- und Appellebene. Kurz gesagt: keine Botschaft ist absolut, einseitig und klar.
Ich mach es kurz deutlich anhand eines fiktiven Gespräches zwischen Erwin und Erika.
Er: Kannst du mir mal das Salz geben?
Sie: Wofür brauchst du das Salz
Er: Na für mein Ei. Warum fragst du denn?
Sie: Darf ich nicht fragen? Außerdem hast du nicht bitte gesagt.
Er: Kannst du mir bitte mal das Salz geben?
Sie: Hol es dir doch selber.
Ich glaube, diese Dynamik ist uns aus Loriot allzu gut bekannt. Und doch zeigt sie genau den Kern des Problems. Erwin und Erika reden einfach einander vorbei.
Das führt mich zu meiner These:
Kommunikation ist nicht das, was wir hören sollen – sondern das, was wir hören wollen.
Dementsprechend kann ein Satz auf verschiedene Arten verstanden werden. In diesem Beispiel oben kann die Bitte nach dem Salz zu einem Appell werden, den Erika hört. Möglicherweise, weil sie selbst oft in Appellen zu sich redet. Unsere Kommunikation im Außen ist oft auch ein Spiegel von dem, was innerlich in uns stattfindet. Wer im Außen oft kritisiert, wird mit sich selbst ebenfalls kritisch umgehen. Die gute Nachricht jedoch ist, dass diese inneren Kommunikationsmuster veränderbar sind. Wenn wir unsere unbewussten Bewertungsstrukturen uns selbst offenbaren, ist das ein wahrer Schlüssel in der eigenen, persönlichen Weiterentwicklung.
Und Hand aufs Herz: Wer hat nicht auch schon einmal von seinem Gegenüber nach einem Konflikt gehört: „Sorry, es war doch überhaupt nicht so gemeint?“ Wenn wir diese simple Grundlage verstehen und aufhören, unserem Gegenüber böswillige Absichten zu unterstellen, besteht die Chance, dass sich Beziehungen nachhaltig wirklich ins Positive verändern können.
Das 4-Ohren-Modell ist eine Möglichkeit, um Sprache und deren Auswirkung sichtbar zu machen und die Muster zu trainieren, damit wir besser verstanden werden, aber auch andere besser verstehen können.
Als letztes möchte ich dir noch einen kleinen Gedankenimpuls mitgeben. Keine Wahrheit absolut ist. Auch nicht die eigene.
Wenn uns dieser innere Schritt gelingt, dass wir uns von der Vorstellung lösen, dass alle Menschen unsere Perspektive übernehmen müssen, sind wir nur noch wenige Zentimeter von unserem Gegenüber entfernt.
Und das ist doch letztendlich das, wonach wir Menschen alle streben: nach Verbindung, Nähe und Gemeinschaft.
„Die Wahrheit ist, das Alles und Nichts der Wahrheit entspricht.“ – AH
Anne <3
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